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Enzyklopädie der deutschen Schmalspurbahnen

in Vorbildbahnen 22.11.2013 17:57
von bricoleur • 254 Beiträge

Vom Vorbild zum Modell
 
Als in der Gründerzeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Eisenbahnbau vorangetrieben wurde, kam das Begehren auf, den wirtschaftlichen Aufschwung auch in ländliche Regionen zu tragen. Dazu war es erforderlich sie durch Nebenstrecken an das große Streckennetz anzubinden. Die Nebenbahnen waren geboren. Sie wurden in Preußen Kleinbahnen, in Bayern Vizinalbahnen und in Österreich Lokalbahnen genannt. Es gab sie in allen Spurweiten, von der Normalspur 1435 mm über Meterspur 1000 mm, Engspur 750 bis hin zur Feldbahnspur 600 mm.
 
Aus Kostengründen wurden dafür oft schmalspurige Bahnen gebaut. Schmalspur ist alles was kleiner ist als Normalspur. Der Platzbedarf war geringer und die Möglichkeit der Trassenführung mit engeren Kurven ersparte teure Brücken- und Tunnelbauten in Tälern und auf Bergstrecken. Heute existieren die meisten dieser Bahnen nicht mehr. Es sind aber noch einige in Betrieb, als reguläre Verkehrsmittel wie auch als Museumsbahnen. Man braucht nur das Suchwort „Schmalspurbahn“ zu bemühen, schon findet man im Internet eine Fülle von Informationen dazu.

Die Bastelbahn hat Schmalspurbahnen mit 750 mm und angrenzenden Spurweiten als Vorbild. Bei Modellbahnen wird gemäß der Norm Europäischer Modellbahner (NEM) diese Spurweite – abgedeckt ist dabei der Bereich von 650 bis 850 mm – mit dem Zusatz „e“ gekennzeichnet, so wie z.B. Meterspurmodelle den Zusatz „m“ erhalten. Da gibt es H0e in 1:87, 0e in 1:45, 1e in 1:32, 2e in 1:22,5 und jetzt auch die Bastelbahn Spur 3e in 1:16. Das „e“ wird heute in Modellbahnerkreisen mit dem Begriff Engspur erklärt, der ja auch gut dazu passt, kommt aber ursprünglich vom Modellbahnhersteller Egger-Bahn, welcher als erster Modelle in der Spur H0e auf 9 mm Gleis auf den Markt brachte. Egger hatte damals seiner Spurbezeichnung einfach das „e“ angehängt, zur Unterscheidung von der H0-Normalspur. Bei realen Schmalspurbahnen war der Begriff Engspur allerdings nicht gebräuchlich. Er ist eine neuere Wortschöpfung von Modellbahnern, findet heute aber auch zunehmend Anwendung bei Museumsbahnen.

Welche der 750 mm (bzw. Österreich etc. 760 mm) Schmalspurbahnen sich als Vorbilder für die Bastelbahn eignen, soll hier in lockerer Folge unterbreitet werden. Eine sehr gute Übersicht über das deutsche Schmalspurbahnwesen beinhaltet das nachfolgend rezensierte Buch.

Wolf-Dietger Machel – Enzyklopädie der deutschen Schmalspurbahnen – Geschichte, Strecken, Fahrzeuge – erschienen 2011 im GeraMond Verlag München – ISBN 978-3-86245-101-2 – Hardcover gebunden mit zusätzlichem Schutzumschlag, 222 Seiten, Großformat 23 x 27 cm.



Das Werk bietet eine anschauliche Übersicht über die Anfangsgeschichte der Schmalspurbahnen in Deutschland, so wie das damals war, mit Bayern, Preußen und den anderen Königs- und Herzogtümern dazwischen, mit ihren unterschiedlichen Auffassung, was solche kleinen Eisenbahnen können, sollen und dürfen. Dem angeschlossen kann man über die geschichtliche Entwicklung nach der Hitlerei in den beiden getrennten deutschen Staaten lesen und bekommt einen Überblick über die Schmalspurbahnen, die bis in die Gegenwart übrig geblieben sind und wo sich heute noch etwas bewegt.

Besonders interessant finde ich den Exkurs in die Technik. Hier wird dieselbe von Fahrzeugen und Bahnanlagen erläutert, so dass das auch einem Nichteisenbahner verständlich ist. Man lernt immer noch was dazu. Da kann man auch gerne über solche schier unvermeidlichen Dreckfehler wie „Görlitzer Gesichtsbremse“ hinwegschmunzeln. Es folgt eine Reihe Kurzporträts ausgewählter Schmalspurbahnen quer durch die Republik, von denen heute noch einige aktiv sind, wie z.B. die Muskauer Waldbahn und der Molli.

Ab Seite 183 kommt dann die eigentliche Enzyklopädie mit einer Auflistung der (es sind zufällig auch 183) deutschen Schmalspurbahnen von A bis Z, ganz kurz gehalten, mit den wichtigsten Informationen über Eigentümer, geschichtliche und technische Daten, Streckenführung und Status. Auf einer farbigen, zweigeteilten Deutschlandkarte kann der Interessierte die Bahn nach Nummern orten. Das ganze Buch ist mit historischen Schwarz-Weiß-Fotos und teils ganzseitigen, farbigen Abbildungen illustriert. Ein Literatur- und Quellenverzeichnis mit Register runden das Werk ab.

Der Autor hat hier aus seinem umfassenden Fachwissen als langjähriger Chefredakteur der in der DDR herausgegebenen Zeitschrift „Modelleisenbahner“ (was sicherlich nicht immer so einfach war) ein sehr schönes Buch geschaffen, mit dem man auch den bisher Unbeleckten für das Thema Schmalspurbahn begeistern kann.


zuletzt bearbeitet 08.09.2015 16:47 | nach oben


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