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Spur G – alles Gummi oder was?

in Sonstiges 24.09.2015 18:23
von bricoleur • 249 Beiträge

Als die Bezeichnung „Spur G“ von der Firma Ernst Paul Lehmann für ihr Groß- bzw. Gartenbahn LGB eingeführt wurde, war das noch eine exklusive Sache. In den Anfängen sollte die LGB als Modell einer meterspurigen Schmalspurbahn den Maßstab 1:22,5 – also NEM-Baugröße 2, Spur 2m – besitzen und das „G“ aus Marketinggründen „2m“ ersetzen. Aber Lehmann nahm das mit der Maßstabstreue von Anfang an nicht so genau.

In der Folge wurde „Spur G“ mehr und mehr von anderen Spielzeugbahn- bzw. Modellbahn-Herstellern übernommen. In den USA kamen als „G Scale“ oder „G Gauge“ Modelle auf den Markt, deren Maßstäbe von 1:19 bis 1: 29 reichten. Zusammen mit den bekannten Ungenauigkeiten von LGB wurde dieses „G“ unter sachkundigen Modellbahnern zum Synonym für Gummi. Das „G“ hatte lediglich eine Gemeinsamkeit, die Modellbahnspur von 45 mm. Ausdrücklich ausgenommen wurde hiervon die schon ältere Spur 1 im Maßstab 1:32.

Die neue Spur G

In den letzten Jahren der Firma E. P. Lehmann brachte LGB auch Normalspurfahrzeuge heraus, die zwar auf 45-mm-Gleis fuhren, aber einen deutlich kleineren Maßstab als die Schmalspurmodelle hatten, irgendwo zwischen Baugröße 1 und 2. Diese Linie hat inzwischen die Firma PIKO mit Erfolg aufgegriffen. PIKO macht bisher für diese Modelle keine Maßstabsangaben, was eigentlich bei einer Modellbahn Standard wäre. Man kann aber anhand der Modellmaße im Vergleich zu den Abmessungen der Vorbilder selber ausrechnen, dass es sich um den Maßstab 1:27 – mit einigen unbedeutenden Abweichungen – handelt.

Wir haben also hier eine Normalspur-Modellbahn in 1:27 auf 45-mm-Gleis. Maßstäblich müsste die Spur 53 mm betragen. Nun kann man sich aber vorstellen, welche Kosten die Entwicklung und Produktion eines völlige neuen Gleissystems haben würde. Diese Modellbahn käme um vieles teurer. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass PIKO auf das bewährte Gartenbahn-Gleis der „Spur G“ zurückgriffen hat und die 1,43 m eben 1,20 m sein lässt. Optisch fällt das kaum auf. Man spart dadurch auf jeden Fall eine Menge Geld und eröffnet damit einem größeren Kundenkreis einen kostengünstigen Zugang zu dem Produkt.

Die Normalspur-G von PIKO ist eine Gartenbahn par excellence, denn man braucht für so eine Modellbahn eine Menge Platz. Man benötigt jedenfalls mehr Platz als für eine Schmalspurbahn, bei der enge Gleisradien normal sind. Empfohlen wird mindestens der R3 gemäß der LGB/PIKO-Gleisgeometrie, denn es sieht wirklich beknackt aus, wenn Normalspurfahrzeuge auf R1 oder R2 um die Ecke knicken. Wie unrealistisch sich so etwas darbietet kann man auf diesem Bild sehen. Und wenn die Züge dann auch noch im Expresstempo fahren, wirkt der Anblick grotesk. In der Realität würden dabei die Fahrgäste durch die Fenster geschleudert.

Für solche langen Personenwagen käme für mich nur der Radius 5 in Frage, bei den Kurven wie auch bei den Weichen. Aber hier lauert dann eine Kostenfalle, denn Gleismaterial mit größeren Radien kostet deutlich mehr als das bei Anfangspackungen mitgelieferte Standard-Repertoire. Da geht eine ordentliche, dem Vorbild annähernd gerechte Gartenbahnanlage richtig ins Geld. Deshalb fiel meine Wahl auch auf Schmalspur, denn da sind enge Kurven und gemütliche Fahrweise normal.

Auch nicht so überzeugend finde ich es, wenn Gartenbahner Normalspur- und Schmalspurfahrzeuge auf dem selben Gleis vermischen. Was ich da schon zu sehen bekam war der reinste Kuddelmuddel. Dazu passen dann meisten auch die sonstigen unrealistischen Proportionen in den Anlagen. Daran kann man ablesen, ob die Fans etwas vom Thema Modellbahn bzw. Eisenbahn verstehen oder lediglich daran interessiert sind, dass der Zug auf inzwischen abgedroschene Weise das Bier heranschleppt. Wem's Spaß macht.

Etwas für Bastler?

Es steht die Frage im Raum, ob die neue Spur G etwas für Bastelbahner ist. Was das Rollmaterial betrifft, sicherlich nicht unbedingt, denn da gibt es inzwischen ausreichend Fahrzeugmodell zu kaufen, und das zu verträglichen Preisen. Aber an Zubehör findet man im Maßstab 1:27 und angrenzend recht wenig. Hier wäre Basteln angesagt. Einmal davon abgesehen, dass der Bau einer Gartenbahn an sich schon eine mächtige Bastelei ist.

Was Gebäudemodelle angeht, kann man ohne weiteres auf Bausätze aus dem 1:22,5-Bereich von POLA, PIKO und VOLLMER zurückgreifen. Die Häuser sind schon wegen der bei der Baugröße 2 erforderlichen Platzersparnis meisten so bescheiden dimensioniert, dass sie auch gut zu 1:27 passen. Nur bei kleineren Zubehörteilen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu groß oder zu klein erscheinen. Das betrifft auch die Figuren. Zum Beispiel der Lokführer Wilfer, welcher in den PIKO-Loks zum Standard gehört, ist deutlich zu groß. Ein Mann der Durchschnittsgröße von 1,80 ist nun mal in 1:27 gut 1,5 cm kleiner als sein Kollege von LGB/PREISER.

Wer als Bastelbahner gerne eine normalspurige Modellbahn als Gartenbahn haben möchte, der ist bei PIKO-G an der richtigen Adresse. Zu basteln gibt es da noch mehr als genug. Und der Selbstbau bzw. Umbau von Schienfahrzeugmodellen ist natürlich auch eine Option. Der Bezug von Bau- und Ersatzteilen ist nämlich bei PIKO kein Problem. Ebenso lässt sich vieles von billigen Spielzeugeisenbahnen als Bastelmaterial verwenden.


Siemens-Lok ES64U2 genannt Taurus als PIKO-G-Modell, LüP 715 mm

Das Fahrgestell der Taurus habe ich für den Bau einer rumänischen L45H im Maßstab 1:16 reserviert. Das passt ziemlich genau. Aber das Projekt wird wohl noch etwas dauern.


zuletzt bearbeitet 29.04.2018 00:50 | nach oben


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