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EPS und XPS – Styro.....was?

in Bau- und Bastelmaterial 21.11.2013 20:05
von bricoleur • 254 Beiträge

Eigentlich gehört das noch in den Artikel über Polystyrol. Da es sich hier aber um besondere Arten von PS handelt, die etwas anders zu verarbeiten sind und auch beim Basteln besondere Möglichkeiten eröffnen, mache ich das mal extra. Es geht um zwei Sorten aufgeschäumten Polystyrols.

EPS = expandiertes Polystyrol, schon sehr lange als Styropor auf dem Markt, und
XPS = extrudiertes Polystyrol, eine neuere Entwicklung, in Deutschland von BASF unter dem Markennamen Styrodur. Hier werden die Unterschiede der beiden Materialien erläutert.

Mal ganz simpel erklärt: Für die Herstellung von Styropor wird PS-Granulat aufgeschäumt, etwa so wie Popcorn, und anschließend zu massiven Teilen zusammengepresst. Deshalb ist es körnig. Für Styrodur wird eine PS-Masse insgesamt aufgeschäumt und in die gewünschte Form gebracht. Das ist aufwändiger. Deshalb kostet XPS auch dreimal so viel wie EPS.

Beide Materialien wurden für den Bau konzipiert, speziell zur Dämmung gegen Kälte, Hitze und Schall, und nicht zum Basteln. Aber wie das so ist, sind wir Bastler ja gnadenlos und verwenden alles, was sich nicht wehrt. Nur muss man diese Art von PS etwas anders behandeln. So ist da nichts mit Lösungsmittel haltigen Klebern oder Lacken zu machen. Die fressen gleich Löcher. Dafür empfehlen sich Baukleber und Farben auf Acrylbasis. Man sollte da immer zuerst mit Verschnittresten entsprechende Tests vornehmen.

EPS wie auch XPS sind nicht UV-beständig. XPS ist diesbezüglich weniger empfindlich als EPS. Bei kompakten Teilen in der Gartenbahn, wie z.B. Beton- oder Steinbogenbrücken und Bahnsteige, die aus dickem Material bestehen, gibt es keine Probleme, wenn man die Teile durch dichte, UV-undurchlässige Anstriche konserviert. Für filigrane Teile nimmt man im Außenbereich besser was anderes.

Ich verwende bei meiner Gartenbahn für den Unterbau der Trasse Styropor. Das wird oben grau gestrichen und wenn das Gleis drauf liegt und eingeschottert ist, kommt die Sonne nicht mehr dran. Diese Leichtbauweise hat gegenüber eine Betontrasse den Vorteil, dass Änderungen ohne großen Aufwand vorgenommen werde können. Auch bei Absenkungen und Verwerfungen, die nach jedem Winter obligatorisch sind, lässt sich die Trasse leichter richten.

XPS, also Styrodur, ist sehr gut geeignet zur Herstellung von Mauern und Hauswänden. Es lassen sich prima Steinstrukturen hineindrücken, die dann auch stabil bleiben. Mit Styropor geht das nicht so einfach. Für Innenanlagen ist das eine feine Sache, egal für welche Baugrößen. Und für draußen muss man eben die erforderlichen Schutzanstriche auftragen. Ich könnte jetzt noch mehr über die Verarbeitung schreiben. Vielleicht ergibt sich die eine oder andere Frage in diesem Beitrag aus der Praxis.

Der Ernst des Klebens

Es gibt für fast jedes Material einen oder mehrere speziellen Kleber, für das Verkleben von unterschiedlichen Materialien so genannte Universalkleber, die aber auch jeweils bestimmt Bereiche abdecken.

Speziell zu EPS und XPS:

Während man bei hartem Polystyrol Lösungsmittel haltige Kleber verwendet, die die Oberfläche des Materials anlösen und mit ihm verschweißen, geht das bei aufgeschäumtem PS nicht, da Lösungsmittel die offenporige Struktur des Materials sofort zerstören. Die Kleber, die man hier verwenden kann, dürfen das Material nicht anlösen. Aus diesem Grunde können sie mit ihm auch keine echte Verbindung eingehen.

Aber wie klebt das denn da? Bei EPS und XPS, wie auch bei anderen aufgeschäumten Kunststoffen wie z.B. extrudiertes PVC, dringt der Kleber in die offenporige Oberfläche des Materials ein und krallt sich dort nach Aushärtung fest. Aus diesem Grunde klebt Styropor auch mit PONAL Holzleim sehr gut auf Holz. Der Leim kann dabei über das Holz aushärten, d.h. das Holz entzieht im die Feuchtigkeit. Bei Styropor auf Styropor oder anderen Materialien sollte man was anderes nehmen, sonst ist das nur gebappt. Es gibt für EPS einen spezielle Klebepaste im Baumarkt, die recht zuverlässig klebt, allerdings nicht auf Dauer feuchtigkeitsbeständig ist. Für XPS – und auch für EPS im Außenbereich – empfehle ich den Montagekleber MS Polymer von UHU.

Dabei muss man aber auch darauf achten, dass der Kleber aushärten kann. An den Kanten ist das kein Problem, aber beim Verkleben auf Flächen muss ein Teil saugfähig sein. Würde man zwei XPS-Platten aufeinander kleben, könnte die Feuchtigkeit des Klebers aus der Fläche nicht entweichen. Der Kleber könnte nicht aushärten, würde weich bleiben, so wie in der geschlossenen Kartusche, könnte also gar nicht kleben. Die beiden Platten würden irgendwann auseinander fallen wie eine vergessene Butterstulle.

Beispiel XPS-Trittschalldämmung

Da haben mir 6 mm dicke Platten aus XPS im Weg gestanden. Dieses XPS ist nicht grün, so wie das Styrodur der BASF, sondern rosa. Es kommt aus Österreich und dürfte von der Firma Austrotherm stammen. Die 500 x 1000 mm großen Platten werden als Trittschalldämmung verkauft. Meine Quelle bei Ebay ist leider nicht mehr online.

Vermerk: Die rosa Trittschalldämmung gibt es nicht mehr. Da muss man eben mit der grünen von BASF vorlieb nehmen, die man in jedem Baumarkt bekommt.

Die Platten sind auf einer Seite glatte und auf der anderen – zum besseren Halt beim Verkleben – gerillt. In die glatte Seite lassen sich beliebige Strukturen eindrücken. Ich habe dafür ein 10 mm Kupferrohr viereckig geklopft. Damit lässt sich nun ein zu meinem Maßstab 1:16 passendes Kopfsteinpflaster herstellen.



Siehe auch:
Kleine Ladestraße bei der Kellerbahn
Straßenbau bei der Kellerbahn
und
Hausfassaden

Die gerillte Seite bietet als Grundlage für die Herstellung von Backsteinwänden an. Der Rillenabstand beträgt genau 4 mm. Drückt man nun im Abstand von 12 mm mit einem Schraubendreher Querrillen ein, bekommt man eine Ziegelmauerstruktur. Normale Ziegelsteine sind 250 x 120 x 70 mm groß. Unter Berücksichtigung der Mörtelfugen bekommt man dann eine Backsteinwand, ziemlich genau in Baugröße 2, Maßstab 1:22,5. Für die Baugröße 0 wäre das dann eine Quadermauer, passend für Stützmauern, Tunnelportale, Häusersockel etc.

Man kann also sehen, diese Trittschalldämmung ist für Basteleien vielseitig verwendbar.

Richard


zuletzt bearbeitet 28.02.2019 23:45 | nach oben


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